Die Streuobstwiese - Teil 3

Eine traditionelle Nutzungsform oder Landespflegefläche Obervermessungsrat Gerd Kohlhaas und Bauamtsrat Martin Tenbuß

Die Vorgehensweise hat sich in der Vergangenheit grundsätzlich bewährt, wenn der Landabzug den üblichen Rahmen nicht übersteigt und so vom Teilnehmervorstand mit getragen wird und wenn der zukünftige Unterhaltungsaufwand für die Gemeinde finanziell und fachlich vertretbar bleibt.

 

Um die Bewirtschaftung der Obstbäume zu gewährleisen, nahmen wir Kontakt mit der Streuobstinitiative Hunsrück e. V. (Bitz) auf, mit der wir gemeinsam Fragen der Sortenwahl, der Bewirtschaftung, der Ernte und Vermarktung des Obstes erörtert haben. Bei den Planwunschgesprächen ist es beabsichtigt, die Eigentümer über die Förderung der Streuobstbestände (Sanierungs- und Erziehungsschnitt, Nachpflanzung) detailliert zu informiert, so dass jeder die Möglichkeit hat, im Rahmen der wertgleichen Abfindung eine Zuteilung in den Vorrangflächen zu wünschen. So tragen die Bürger durch ihre eigene Entscheidung selbst zum Erhalt der Streuobstwiesen bei. Wir gehen davon aus, dass durch diese Vorgehensweise die Identifikation der Bürger mit ihrer Landschaft und mit den Obstbäumen gefördert wird.

 

Bevor wir dieses Planungskonzept in einer Bürgerversammlung vorstellten, wurde es im Vorfeld mit Vertretern der unteren und oberen Landespflegebehörden und mit Vertretern der Landesanstalt für Pflanzenbau und Pflanzenschutz erörtert. Sowohl bei Behördenvertreter als auch in Bürgerversammlungen war eine breite Zustimmung zu den Planungsvorstellungen vorhanden. Die in den ackerbaulich genutzten Gemarkungsteilen wirtschaftenden Landwirte gingen ursprünglich davon aus, die Ackerfläche könne auf Kosten der Streuobstbestände erweitert werden. Durch die Ausgleichsregelung im Landespflegegesetz konnte und wollte das Kulturamt diesen Vorstellungen nicht nachkommen. Inzwischen erkennen auch die Ackerbau betreibenden Landwirte die Vorteile der Zusammenlegung:

 

- Nutzungsentflechtung

 

- Verlängerung der Schlaglängen

 

- größere Bewirtschaftungseinheiten

 

Inzwischen ist der Wege- und Gewässerplan mit landschaftspflegerischem Begleitplan planfestgestellt und in Kürze wird der Planwunschtermin durchgeführt. Nach vielen Gesprächen mit den Bürgern und Eigentümern sind wir zuversichtlich, dass die Sanierungsmaßnahmen trotz einer geringen Kostenbeteiligung durch die Zuteilungsempfänger auf große Resonanz stoßen wird. Inwieweit die Obstbäume dann auch abgeerntet werden und das Obst über die Streuobstinitiative vermarktet wird, bleibt abzuwarten. Insofern bleibt zum jetzigen Zeitpunkt die in der Überschrift angedeutete Frage, ob Streuobstwiesen als Landespflegeflächen ausgewiesen oder als landwirtschaftliche Flächen genutzt werden, für Oppenhausen, Herschwiesen Herschwiesen und Buchholz noch unbeantwortet. Sicher ist jedoch, dass auf einer Fläche von ca. 55 ha Obstbestände saniert und verjüngt werden und damit der Biotoptyp Streuobstwiese in der Flurbereinigung nicht nur in großem Umfang erhalten wurde, es konnte die Lebenserwartung des Biotoptyps Streuobstwiese durch die Flurbereinigungsmaßnahmen um Jahrzehnte verlängert werden.

 

Nach unserer Einschätzung tragen viele Flurbereinigungsteilnehmer dieses landespflegerische Konzept mit, ein Konzept, dass nicht gegen den Widerstand des Teilnehmervorstandes und mit viel Überzeugungsarbeit gegenüber dem Bürger umgesetzt werden muß. Mit der Sanierung und Verjüngung der Streuobstbestände auf privaten Flächen stoßen wir auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Die Bürger identifizieren sich mit den landespflegerischen Ausgleichsmaßnahmen, so dass die Sicherung der Maßnahmen eher gewährleistet scheint als durch restriktive Festsetzungen (grundbuchliche Sicherung) oder durch Überführung ins öffentliche Eigentum.