Die Streuobstwiese ...

Eine traditionelle Nutzungsform oder Landespflegefläche Obervermessungsrat Gerd Kohlhaas und Bauamtsrat Martin Tenbuß

Die Bediensteten des Kulturamtes in Mayen staunten nicht schlecht, als sie vor Jahren zum ersten mal die Flurbereinigungsgemeinden in Oppenhausen, Herschwiesen und Buchholz besuchten.

 

Die Orte sind durch einen teilweise sehr breiten Streuobstwiesengürtel harmonisch in die Landschaft eingebunden. Dort, wo anderorts in den 70er und 80er Jahren die letzten Obstbestände zu Gunsten einer ackerbaulichen Nutzung oder zu Gunsten eines Baugebietes weichen mußte, sind heute noch ausgedehnte Streuobstbestände zu bestaunen. Die in dieser Ausdehnung sehr selten Bestände waren für die Planung eine besondere Herausforderung:

 

  • Ist die Bevölkerung am Erhalt der Obstbäume interessiert?

 

  • Wie können ca. 55 ha Streuobstbestände in der Flurbereinigung nicht nur erhalten, sondern auch in ihrem Bestand gesichert und entwickelt werden?

 

  • Ist es möglich, eine Bewirtschaftung der Streuobstbestände neu zu initiieren?

 

  • Wie können die ackerbaulichen Interessen einer grosszügigen Bewirtschaftung mit den Belangen des Arten- und Biotopschutzes, des historischen  Landschaftsbildes und auch des Tourismus in Einklang gebracht werden?

 

Diese Fragen mussten im Planungsprozess mit den Bürgern, mit den zuständigen Behörden und Verbänden und nicht zuletzt mit dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft eingehend erörtert werden:

 

Am Anfang der Bodenordnungsverfahren konnten wir die Stimmung der Bevölkerung zur Landschaft und zu ihren Obstwiesen kaum einschätzen. So entschieden wir uns, alle Beteiligten einen Fragebogen zuzuschicken, in dem unter anderem auch Fragen zu den Obstbeständen gestellt wurden.

 

Nach Sichtung und Auswertung des Rücklaufes waren wir über die doch recht positive Einstellung der Bürger zu ihren Obstbäumen ermutigt. Viele Bürger wollten diese Flächen auch in ihrer großen Ausdehnung nicht verlieren.

 

Nach einigen behördeninternen Gesprächen wurde immer deutlicher, dass mit den herkömmlichen planerischen Grundsätzen in der Flurbereinigung großflächige Streuobstbestände nicht zu erhalten sind. Bislang wurden:

 

  • die Landespflegeflächen ausschließlich durch Landabzug aufgebracht

 

  • die Landespflegeflächen ins öffentliche Eigentum überführt und

 

  • die Landespflegeflächen durch die Gemeinde unterhalten